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Facebook für Kreative? Ja! aber… Interview mit Daniel Wagner

“Dir gehören alle Inhalte und Informationen, die du auf Facebook postest. Zudem kannst du mithilfe deiner Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen kontrollieren, wie diese ausgetauscht werden. Ferner: Für Inhalte wie Fotos und Videos, die unter die Rechte an geistigem Eigentum (sog. „IP-Inhalte“) fallen, erteilst du uns durch deine Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen die folgende Erlaubnis: Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz zur Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest („IP-Lizenz“). Diese IP-Lizenz endet, wenn du deine IP-Inhalte oder dein Konto löschst, außer deine Inhalte wurden mit anderen Nutzern geteilt und diese haben die Inhalte nicht gelöscht.“

Die Nutzungsbedingungen von Facebook stellen meine Mandanten und mich regelmäßig vor Probleme von deren eigener Präsenz bei Facebook hin bis zur Einräumung von Nutzungsrechten zugunsten ihrer Kunden.

Den Standpunkt der Fotografen konnte ich bereits in einem ersten Interview beleuchten.

Danny WootNun steht uns Daniel Wagner, Social Media Manager, Community Manager, Autor und Strategieberater und Gründer von danny woot für ein paar Fragen zur Verfügung.

Sebastian Deubelli:

Was rätst Du Fotografen und anderen Kreativen angesichts der obigen Facebook-Nutzungsbedingungen, wenn es um den Upload ihres geistigen Eigentums und somit ihrer Arbeitsergebnisse geht?

Daniel Wagner:  

Zunächst mal halte ich Facebook für eine ausgezeichnete Plattform, um Menschen zu erreichen, die man sonst vielleicht nie erreichen würde. Facebook hat von allen sozialen Netzwerken die größte, technische Reichweite. Hochwertiger, visueller Content funktioniert auf Facebook besonders gut. Die Leute lieben ihn. Deshalb haben Fotografen und andere Kreative in der Regel sehr gute Chancen, eine Fanbase auf Facebook aufzubauen und die Plattform nutzbringend für ihr Selbstmarketing einzusetzen.

Ich bin der Meinung, dass trotz der rigiden Nutzungsbedingungen von Facebook die Vorteile, die die Plattform bietet, in der Praxis überwiegen. Deshalb rate ich Kreativen meist, Facebook in ihren Marketing-Mix mit einzuplanen und das Potenzial der Plattform, insbesondere ihre vielfältigen Sharing-Möglichkeiten, für die Selbstvermarktung zu nutzen. Allerdings halte ich es durchaus für sinnvoll, die eigenen Arbeiten erstens nicht in hochauflösender und druckfähiger Qualität hochzuladen, so dass die Bilder auf Facebook nur Vorschau-Charakter haben. Zweitens sollte immer ein Copyright-Vermerk oder ein Wasserzeichen im Bild integriert sein, um den Verweis auf den Urheber auch dann aufrechtzuerhalten, wenn das Bild von anderen Nutzern geteilt wird. Ich halte das für eine praktikable Lösung, bei der alle Seiten ganz gut wegkommen.

Sebastian Deubelli:

Sind die Facebook-Nutzungsbedingungen aktuell ein Thema für Dich und Deine Kunden oder spielen sie eher eine untergeordnete Rolle?

Daniel Wagner:

Die Nutzungsbedingungen von Facebook spielen bei allen meinen Kunden definitiv eine untergeordnete Rolle. Ich sehe zwei Gründe dafür: erstens hat sich die Nutzung von Facebook ja so flächendeckend durchgesetzt, dass meine Kunden sagen, selbst wenn ihnen die Nutzungsbedingungen ein Dorn im Auge sind, könnten sie auf Facebook als Marketing-Instrument gar nicht verzichten. Es sind einfach alle auf Facebook, auch ihre Mitbewerber. Da ist der gefühlte Druck, ebenfalls dabei sein zu müssen, entsprechend groß und man macht einfach das, was die anderen auch machen.

Der zweite Grund ist, dass die Nutzung von Facebook jede Menge rechtliche Schwierigkeiten – oder zumindest Unklarheiten – mit sich bringt, so dass dieses Problem der Nutzungsbedingungen nur eine von vielen Baustellen ist. Man denke nur an die fehlende Möglichkeit, einen Impressum-Vermerk rechtlich einwandfrei in seine Facebook-Seite zu integrieren. Das ist meines Wissens bis heute nicht möglich. Insofern sagen meine Kunden, sie versuchen lieber das Beste aus Facebook rauszuholen, anstatt ständig über die Gefahren nachzudenken, die dort lauern könnten. Das halte ich im Übrigen für einen ganz sinnvollen Ansatz.

 

About the Author

Sebastian Deubelli

Seit 2010 als Rechtsanwalt zugelassen berate und vertrete ich nun seit April 2013 mit meiner eigenen Kanzlei vor Allem Kreative rund um rechtliche Fragestellungen zum Medien- und Urheberrecht. Bundesweit. Landshut. Bayern.

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